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Dr. Viktoria Fedorovskaja


Viktoria Federovskaja

Dr. Viktoria Fedorovskaja lebt und arbeitet in Moskau. Nach mehreren Jahren in ostrussischen Chabarowsk wechselte sie 2015 an die Erste Staatliche Medizinische Setschenow-Universität Moskau, wo sie die Abteilung für Deutsch am Lehrstuhl für Fremdsprachen leitet. Im Deutschunterricht liegt der Schwerpunkt hier auf medizinischen Begriffen, eine neue Herausforderung für die weitgereiste Germanistin. 

Im Herbst 1996 kam Fedorovskaja als junge Austauschstudentin zum ersten Mal nach Augsburg. Dieses Auslandssemester ist ihr bis heute in guter Erinnerung geblieben: Denn durch das Studium in Augsburg konnte sie ein anderes Hochschulsystem und die Kultur Bayerns kennenlernen. Vier Jahre später kam sie wieder in die Fuggerstadt. Ein Jahresstipendium des DAAD ermöglichte ihr einen Forschungs-aufenthalt am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft. Den damaligen Inhaber des Lehrstuhls, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Wellmann, nennt sie auch ihren „inoffiziellen Doktorvater“.

Durch seine wertvollen Anregungen konnte sie nämlich die endgültige Konzeption ihrer Doktorarbeit entwerfen, in der es um die Funktionen der Wortbildung in den Rezensionen zu „Im Krebsgang“ geht, der damals gerade erschienenen Novelle von Günter Grass. Ihre Promotion stellte die Russin später im Rahmen eines gemeinsamen Workshops der Universitäten Augsburg und Innsbruck auch im deutschen Sprachraum vor. Dabei knüpfte sie einen weiteren Kontakt. Auf Vermittlung von Prof. Wellmann lernte Fedorovskaja Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Klein kennen, den Gründer und damaligen Leiter des Innsbrucker Zeitungsarchivs zur deutsch- und fremdsprachigen Literatur. Die einzigartige Sammlung des Archivs half ihr, das Untersuchungskorpus für ihre Dissertation zusammen zu stellen.

Nach der erfolgreichen Verteidigung der Doktorarbeit an der Staatlichen Lomonossow-Universität Moskau nahm Fedorovskaja 2003 ihre Arbeit am Lehrstuhl für Deutsche Philologie der Humanwissenschaftlichen Universität Chabarowsk wieder auf. Fedorovskaja hebt hervor, dass gerade der Bereich der Germanistik von der über 20-jährigen Partnerschaft mit der Universität Augsburg profitiert hat: „Die guten Beziehungen haben den Aufbau der Germanistik in diesem Teil Russlands nachhaltig gefördert, etwa durch den akademischen Austausch, durch gemeinsame Konferenzen, Workshops, Seminare oder Gastdozenturen.“ Zu den zahlreichen „Kindern“ dieser Kooperation kann man wohl auch Fedorovskaja selbst zählen. 

Von 2008 bis 2013 war Fedorovskaja dann Leiterin des Akademischen Auslandsamts in Chabarowsk. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war es, die Kontakte zu  Partneruniversitäten in China, Korea, Japan, Deutschland und den USA, aber auch zu Generalkonsulaten und Botschaften zu pflegen. Dabei betrachtete sie die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Deutschland, vor allem mit Augsburg, stets als eine ihrer vorrangigen Aufgaben. Nach dem Auslauf der vom DAAD geförderten Germanistischen Institutspartnerschaft (GIP) suchten die beiden Universitäten neue Kooperationsformen. So wurden zahlreiche Projekte der Arbeitsstelle FORUMOST, die die Zusammenarbeit mit Chabarowsk in den vergangenen Jahren betreut, durch ein weiteres Angebot ergänzt: ein Germanistik-Kontaktstipendium für Chabarowsker Studenten, das auf Initiative des Akademischen Auslandsamts entstanden ist.

Die Universität Augsburg hat Fedorovskaja seit ihrem ersten Aufenthalt 1996/97 mehrmals besucht: als Teilnehmerin am Internationalen Germanistischen Graduiertenkolloquium „Probleme der Textlinguistik literarischer und alltagssprachlicher Texte“ 2006, als DAAD-Stipendiatin 2007 und 2011 und als Gastdozentin auf Einladung der Arbeitsstelle FORUMOST 2011. Das Proseminar „Interkulturelle Kommunikation: Deutsches aus der Außenperspektive“, dessen Programm sie 2011 für Studierende des Fachbereiches ANIS (Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft) entwickelt hat, sei auf ein sehr positives Feedback gestoßen, erinnert sich die Russin.

Auch nach ihrem Wechsel nach Moskau beschäftigt sich Fedorovskaja weiter mit ihrem Habilitationsprojekt, das sich mit der sprachlichen Rezeption des Werks von Günter Grass in der Literaturkritik beschäftigt. Den Grundstein für diese Arbeit hat sie unter anderem durch die Forschungsaufenthalte an der Universität Augsburg und durch Recherchen im Innsbrucker Zeitungsarchiv gelegt. Wenn Viktoria Fedorovskaja an ihre Aufenthalte in Deutschland zurückdenkt, ist sie davon überzeugt, dass Augsburg sie entscheidend geprägt hat. Dienstliche und private Kontakte, die sie knüpfen konnte, sowie Erfahrungen, die sie gesammelt hat, haben zur Entwicklung ihrer fachlichen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenz beigetragen. „Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die Universität Augsburg entdecken durfte“, meint sie.