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Maria Emanuela Boccafoschi


Boccafoschi

Maria Emanuela Boccafoschi könnte das Gesicht Europas sein. Sie kommt aus Triest (Italien), hat in Augsburg promoviert und arbeitet am Gerichtshof der Europäischen Union (EU) in Luxemburg. Neben ihrer Muttersprache spricht sie Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch sowie ein bisschen Japanisch. Mehr Europa geht fast nicht. Aufgewachsen in Alessandria, Norditalien, begann Boccafoschi im Herbst 1993, an der dortigen Universität Rechtswissenschaften zu studieren. Vier Jahre später wagte sie dann zum ersten Mal den Sprung über die Alpen und verbrachte im Rahmen des Erasmus-Programms zwei Semester an der Universität Augsburg. Ein Jahr, das die junge Frau geprägt hat: So beschäftigte sie sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Rechtsprechung in Deutschland und analysierte die bundesrepublikanische Auslegung des Brüsseler Abkommens vom 27. September 1968.

Im Mai 2000, wenige Monate nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums, kehrte Boccafoschi dann nach Augsburg zurück, diesmal als Doktorandin. An ihre Zeit in der Fuggerstadt denkt die Italienerin noch heute gerne zurück: „Es waren einige der schönsten und ereignisreichsten Jahre meines Lebens. Dort habe ich Personen getroffen, die mein Leben bereichert haben, und wahre Freunde, die mich bis heute begleiten.“ 2003 legte sie schließlich ihre Doktorarbeit vor, die mit der Note 1,66 angenommen wurde. Das Thema „Zuständigkeits- und Gerichtsstandsvereinbarungen im deutschen und italienischen Recht“ sagt eigentlich alles: Maria Boccafoschi denkt in europäischen Kategorien.

Doch bevor es die junge Frau endgültig zur EU zog, wagte sie einen Blick über den europäischen Tellerrand hinaus. Nach einem Praktikum bei der Firma DaimlerChrysler ging sie nach Tokio und arbeitete für drei Monate in einer japanischen Anwaltskanzlei. „In Asien habe ich nicht nur viele wertvolle Erfahrungen gemacht, sondern auch Europa richtig zu schätzen gelernt. Erst in Japan wurde mir klar, dass eine funktionierende Staatengemeinschaft wie die EU keine Selbstverständlichkeit ist“, so Boccafoschi.

Nach ihrer Rückkehr aus Asien arbeitete sie zum ersten Mal für die EU, und zwar als Assistentin für einen italienischen Abgeordneten im EU-Parlament. Gleichzeitig fertigte sie als freie Mitarbeiterin des Europäischen Gerichtshofs juristische Übersetzungen an. Sie übertrug deutsch-, englisch-, französisch- und spanischsprachige Dokumente ins Italienische. Nach zwei Jahren bei der EU ging sie 2005 erneut in die Wirtschaft und arbeitete knapp sechs Jahre lang in der Personal- und Rechtsabteilung eines Energieunternehmens in Stuttgart. Dort gefiel es ihr zwar, ihr Traum blieb aber die EU. „Die Arbeit in Stuttgart hat mir sehr gut gefallen, allerdings wollte ich gerne meine interkulturellen Fähigkeiten und meine Sprachkenntnisse einsetzen.“

Wohl auch deshalb zögerte Boccafoschi im Frühjahr 2011 nicht, als ihr eine Stelle als Rechts- und Sprachsachverständige beim Europäischen Gerichtshof angeboten wurde. Das erforderliche Auswahlverfahren hatte sie bereits 2003 erfolgreich abgeschlossen. „Nach jahrelanger Wartezeit hatte ich mit einem Anruf nicht mehr gerechnet. Als ich dann das Angebot bekam, wurde ein Traum für mich wahr.“ Wenn man Maria Boccafoschi fragt, was Europa für sie bedeutet, dann muss sie nicht lange nachdenken: „Ich bin stolz darauf, eine EU-Bürgerin zu sein und für den Europäischen Gerichtshof zu arbeiten.“