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Dr. Cilem Erciyes


Cilem_Erciyes

Dr. phil. Cilem Erciyes wurde 1977 in Augsburg geboren. Nachdem sie die Grundschule abgeschlossen hatte, wurde sie von ihren Eltern in die Türkei geschickt, um ihre weitere schulische Ausbildung in der Heimat zu absolvieren. Nach dem Abitur studierte sie Lehramt für die Sekundarstufe an der Universität Cukurova in Adana. Kurz vor Beendigung ihres Studiums kam sie mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland zurück. Motiviert durch die Förderung bewarb sich Erciyes nach ihrem Abschluss an der Universität Augsburg für den Magisterstudiengang Deutsch als Fremdsprache mit den Nebenfächern Schulpädagogik und Psychologie.

Ihr fachliches Engagement ging dabei weit über die Universität hinaus. „Während meines Studiums habe ich mich viel mit den Problemen von Kindern mit Migrationshintergrund beschäftigt. Deswegen habe ich angefangen, Nachhilfe zu geben“, erinnert sich Erciyes. Zu ihren Schützlingen zählten neben türkischen Schülern auch Kinder aus Afrika, Russland oder Afghanistan. „Es war für mich wichtig herauszufinden, warum die ausländischen Schülerinnen und Schüler im deutschen Bildungssystem weniger erfolgreich sind als ihre deutschen Mitschüler.“

In den Jahren 2005 und 2006 beteiligte sie sich an einem Projekt des Lehrstuhls für Schulpädagogik und bearbeitete mit einer Kommilitonin das Teilprojekt „Zweisprachigkeit im Förderunterricht“. Die beiden gingen der Frage nach, ob und wie durch die Förderung der Muttersprache der Migranten eine Verbesserung des Lernerfolgs in der deutschen Schule erreicht werden kann. Nach Abschluss ihres Magisterstudiums 2006 begann Erciyes an der Universität Augsburg im Fach Schulpädagogik zum Thema "Kulturdifferentes Verstehen. Eine Untersuchung zum Verstehen von Märchen und Bildergeschichten bei Schüler/innen mit Migrationshintergrund" zu promovieren. Auf der Grundlage empirischer Untersuchungen in drei Grundschulklassen, sowohl in Augsburg als auch in der türkischen Stadt Izmir, erörterte Erciyes die unterschiedlichen Aspekte der Kulturalität des Verstehens und leistete so einen Beitrag zum Thema Heterogenität im Schulalltag.

2007 dann der verdiente Lohn für Ihr Engagement zugunsten von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Erciyes erhielt den Augsburger „DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studentinnen und Studenten an den deutschen Hochschulen“. Bis Ende Dezember 2009 arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft am Augsburger Lehrstuhl für Schulpädagogik an dem Forschungsprojekt „Kulturelle Heterogenität mentaler Repräsentationen und Emotionen im menschlichen Gehirn“. Bald darauf, im Juli 2010, schloss sie nach mehr als drei Jahren Ihre Promotion ab. „In meinem Leben habe ich mir viele Ziele gesetzt, aber die größten davon waren, eines Tages im Ausland zu studieren und meine Dissertation zu schreiben“, sagt die heute 39-Jährige über Ihre Zeit an der Universität Augsburg.

Bereits vor Erreichen des Doktorgrads hatte Erciyes angefangen, als Erziehungsbeistand im Evangelischen Kinder- und Jugendhilfezentrum zu arbeiten. Ihre Zielgruppe dort waren insbesondere Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Seit 2011 arbeitet die Pädagogin im SOS-Kinderdorf Augsburg im Bereich der ambulanten Hilfen. Zudem ist sie seit 2014 Verfahrensbeistand für das Familiengericht Augsburg.