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Dr. María Soledad Lagos


Dr. Soledad Lagos  

Ihre Leidenschaft ist das Theater. Dr. María Soledad Lagos schreibt darüber, unterrichtet es und übersetzt international erfolgreiche Stücke ins Spanische, Englische oder Deutsche. Ein Leben ohne Bühne und Schauspiel könnte sich die 56-Jährige nicht vorstellen.

Ihre Liebe für das Theater hat Lagos schon in ihrer Heimat Chile entdeckt. Während ihrer Schulzeit und ihrem Studium wirkte sie bei verschiedenen Aufführungen mit und schrieb erste Theaterkritiken. Zu ihrem Beruf machte sie es dann in Augsburg. Nach ihrem Magisterstudium promovierte María Soledad Lagos von 1990 bis 1993 bei Prof. Dr. Thomas M. Scheerer in Romanischer Literaturwissenschaft: „Ich habe mich mit dem chilenischen Theater Ende der 1980er Jahren befasst und genauer untersucht, wie die ‚creación colectiva‘ – Inszenierungen, in denen die klassischen Rollen des Regisseurs, Bühnenbildners und der Schauspieler aufgegeben werden und stattdessen fließend in einander übergehen – in den letzten Jahren der Diktatur in Chile aussah.“

Laut Lagos war dies eine sehr bewegte Zeit, sowohl im politischen als auch im theaterwissenschaftlichen Sinne: Die Redemokratisierung setzte ein und gleichzeitig begann sich eine neue Bühnensprache zu entwickeln, die das chilenische Theater bis heute prägt.

In der Fuggerstadt konnte sie aber nicht nur ihre Leidenschaft für das Theater vertiefen, sondern auch andere wertvolle Erfahrungen sammeln. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Universitätsbibliothek. Lagos fand es damals unglaublich, dass jeder in Deutschland nach dem Abitur fast kostenlos studieren und alle Bücher, die ihn interessieren, lesen könne. „In Chile ist das sogar heute noch nicht möglich.“ Ganz auf ihre Ausbildung konnte sich Lagos in Augsburg aber nicht konzentrieren. Mitten im Magisterstudium verliebte sie sich und heiratete sogar. Wenige Jahre später kamen dann ihre beiden Töchter Amalia und Eloísa zur Welt.

1994 zog es María Soledad Lagos wieder nach Südamerika. In Buenos Aires (Argentinien), Santiago de Chile und Florianópolis (Brasilien) forschte sie über das lateinamerikanische Theater und gab als Dozentin ihre Leidenschaft für die Darstellende Kunst an Studierende  aus aller Welt weiter. In den letzten Jahren arbeitete sie ferner auch als Dramatikerin und Dramaturgin u.a. in Sao Paulo (Brasilien), Montreal (Kanada), New York (USA), Kapstadt (Südafrika), Medellín und Bogotá (Kolumbien). Seit 1997 lebt sie wieder in Santiago de Chile, ihrem Geburtsort. Dort arbeitet sie an der Universität und ist als Dolmetscherin und Übersetzerin, Kritikerin und Forscherin im Bereich der Darstellenden Künste sowie als Dramatikerin und Dramaturgin tätig. Unter anderem adaptierte sie mit großem Erfolg 2012 Luces de la ciudad, einen Film von Charlie Chaplin, für das Theater. 2014 feierte ihr eigenes Stück ¿Quién es Chile? Premiere. Am Beispiel der berühmten Fußballmannschaft CSD Colo-Colo zeigt Lagos, wie solidarisch, weltoffen und fröhlich die chilenische Gesellschaft vor dem Putsch gegen Salvador Allende war und welche dramatischen Folgen die Militärdiktatur Augusto Pinochets für das lateinamerikanische Land bis heute hat. Im August 2015 feierte ihr Stück Ciudadanas Premiere, das einen aus Frauen und Kindern bestehenden Chor auf die Bühne brachte, um Frauenstimmen in der Gesellschaft hörbar zu machen. Als Geste gegen eine stark zentralisierte Kulturpolitik feierte ihr Stück Muros (o la socialización amorosa) am 20. Mai 2016 Premiere in Arica und wurde ein großer Erfolg. Im August und September 2016 wird Muros (o la socialización amorosa) auf dem Programm des Teatro Mori in Santiago de Chile stehen: Dem Publikum im Saal wird eine Collage verschiedener Lernprozesse im Bereich der Liebe vorgeführt. Besonders wird in dieser Hinsicht eine angeblich spezifisch lateinamerikanische, weibliche „Optik“ behandelt.

Mehr Informationen zu Lagos‘ Theaterkonzeption, ihrem Wirken und dem Theater in Lateinamerika in der Zeitschrift Alumni Augsburg International N°14.