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Anjankumar Gopishetty


Wer dem indischen Strandparadies Goa freiwillig den Rücken kehrt, um ins wechselhafte Augsburg zu ziehen, scheint sich aus den klimatischen Bedingungen der Wahlheimat wenig zu machen. Für den Augsburger Alumnus Anjankumar Gopishetty spielte das Wetter keine Rolle bei der Entscheidung, den kleinsten Bundesstaat des Subkontinents zu verlassen. Stattdessen sah der heute 25-Jährige nach seinem Bachelor-Abschluss im Jahr 2013 keine fachlichen Entwicklungschancen mehr: „Auf dem Feld der Physik waren die Möglichkeiten in Goa begrenzt, also sah ich mich nach anderen Optionen um. Deutschland ist für zahlreiche Erfindungen und seine Physiker/innen weltbekannt.“ Nach einem Infoseminar des DAAD bewarb er sich schließlich mit Erfolg für den englischsprachigen Masterstudiengang Materials Science in Augsburg.

Vortrag Anjankumar

Anjankumar Gopishetty bei einem Vortrag an der Universität Augsburg. Der Materialwissenschaftler studierte zwischen 2013 und 2015 in der Fuggerstadt.

Gopishetty, der sein Studium mittlerweile beendet hat, blickt gerne auf die Zeit in der Fuggerstadt zurück, bezeichnet Augsburg gar als „zweite Heimat“. Besonders die Atmosphäre an der Universität ist dem Inder in guter Erinnerung geblieben: „Die internationalen Studierenden teilen ihre Erfahrungen miteinander, man lebt und arbeitet zusammen. Ich wünschte, ich hätte in Augsburg einen Job gefunden, dann hätte ich die Stadt nach meinem Master nicht verlassen.“ Zudem lobt er die akademische Infrastruktur und die geringe Distanz zwischen Lehrenden und Studierenden. So wurde er von seinen Augsburger Professor/innen für das „Elite Internship Program“ der National Chiao Tung University im taiwanischen Hsinchu vorgeschlagen. Zwischen August und November 2015 half er dort als Gastwissenschaftler bei der Entwicklung von Geräten, die mit Nanodrähten aus Polysilizium arbeiten. Allerdings machten dem gläubigen Hindu die kulinarischen Gegebenheiten in dem ostasiatischen Inselstaat zu schaffen: „Eigentlich hätte ich meinen Aufenthalt dort noch verlängern können. Als Vegetarier hatte ich allerdings ernste Probleme mit dem Essen und kehrte deshalb nach drei Monaten zurück nach Augsburg.“

Anfang 2016 schloss Gopishetty dann nach insgesamt mehr als zehn Monaten Forschungsarbeit seine Masterthesis zum Thema „Influence of Amine, NOx and Ascorbic acid on discoloration of Automobile interior surfaces“ ab. Bereits zwischen November 2014 und Juli 2015 hatte er in Hannover für den Automobilzulieferer Benecke-Kaliko an Oberflächenmaterialien für Fahrzeuginnenräume geforscht: „Meine Aufgabe war, ein Material zu entwickeln, das nicht durch Amine, Stickoxide oder Ascorbinsäure entfärbt werden kann. Dafür musste ich die Zusammensetzung immer wieder variieren.“ Mit Erfolg: Die Arbeit wurde mit 1,3 bewertet.

Seit März 2016 arbeitet Gopishetty in Frankfurt/Main als technischer Projektmanager für die European Engineering Industries Association (EUnited), einen Industrieverband, der unter anderem die Hersteller von Putzmaschinen und Waschanlagen auf EU-Ebene vertritt. Angesichts seiner Erfahrungen im ersten Jahr gerät er ins Schwärmen: „Ich habe ein tolles Team, das mich bei der Arbeit unterstützt. Außerdem kann ich in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten. Ich bin zum Beispiel in der Kommunikation und im Event Management genauso tätig wie in der Entwicklung technischer Standards und der Lobbyarbeit.“ Zudem wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Er wurde zum Projektmanager für Indien ernannt. Trotz seiner beruflichen Erfolge plagt Gopishetty aber noch immer ein Versäumnis aus seiner Studienzeit in Augsburg: „Ich bedaure sehr, die Campus Cat in über zwei Jahren nie getroffen zu haben.“ Ein mehr als guter Grund also, der zweiten Heimat wieder  einmal einen Besuch abzustatten.